so eine oder zwei kleine episoden vom berge.
am ersten tag steigen wir drei stunden durch dichten wald aus bambus, lenga und araucanien auf, es regnet. es ist feucht-warm und geht immer weiter hoch. gespenstisch und beeindruckend, so fremd. bambus, grazil und stark. ueberall.
wir verlassen den wald, es beginnt zu scheien, wind kommt auf. im zuge des aufstieges sind wir verschwitzt, suchen schutz auf den rueckseite der exponierten flaeche, kramen handschuhe und brillen heraus (sie befinden sich bei mir an einer der unzugaenglichsten stellen im rucki: ein wassersack, in dem alle trocknungswuerdigen gegenstaende wohnen (fleecejacken, huettenschuhe, socken, badehose, isomatte, hosen und dort sind dann natuerlich ganz unten auch handschuhe... ab dem tag hatten sie einen sonderplatz ganz oben) anja wird leider nicht warm, trotz jacke und muetze. es wirkt bedrohlicher als es in meinen augen ist, denn wir koennen trotz wind gehen und die sichtweite betraegt 100 meter. angst ist ein jedoch schlechter begleiter in den bergen, also steigen wir ab uns zelten im feuchten wald. am morgen gehe ich alleine weiter und anja macht ferien im dorf. eine gute loesung, denn in den folgenden naechten ist das zelt sets vereist.
die drei folgenden tagesrouten sind unterschiedlich lang, bin jedoch nie vor 5 oder 6 am abend an einer stelle wo es ausreichend schutz, wasser und eine freie flaeche fuer das zelt gibt. am abend immer die gleichen riten - zelt aufbauen, wasser zum trinken filtern, ein kleines bad im bach, essen kochen und die verschwitzten sachen (mal gewaschen, mal ungewaschen trocknen), dann noch ein wenig lesen und puenktlich um 10:20 ins reich der traueme gleiten. am morgen wieder das wetter checken, wo gehoeren die handschuhe denn heute hin? fruehstueck, wasser filtern fuer den tag, spuelen, zelt einpacken und losmachen. die aussichten sind meist spektakulaer, schneebedeckte gipfel, urwald und fremde pflanzen, wasserlaeufe, lava (wie in island mein lieber fabi, nur mit sonne!!! ich sach dir, eine plackerei). sehr abwechslungsreiche landschaft.
am ersten tag verbrenne ich mir die haende, einfach mal nicht eingecremt, der kleine trottel. naja bei soviel zu schuetzender stirn kann ich sowas schonmal vergessen. auf der haelfte der strecke ueberhole ich einen jungen mann ;) , das darf man in meinem alter schon mal sagen, und wir wechseln vielleicht zehn worte. es ist weit und breit kein mensch, aber so wenig. wir wollen beide nicht reden, wir sind nicht unfreundlich aber in jedem fall unsugaenglich. so geht das in den naechsten tagen weiter, wir ueberholen uns und achten peinlich darauf nur ueber wetter und wanderdauer zu reden, uebernachten nie am selben platz und tauschen nicht mal den namen aus. das mit dem wettlauf war aus meiner sicht so: ich versuchte immer recht zeitig unterwegs zu sein, um nicht am geplanten ziel zu merken: der igel ist schon da. das hiess dann einfach im zweifelsfall noch eine stunde mehr, bis zum naechsten fluss dranhaengen. so machte er das auch. sieht mein zelt, gruesst und wackelt weiter. tststss. sind schon ein seltsames volk, die "solotrekker".
am zweiten tag ist es wolkig und gut zu laufen. am dritten tag gibt es auf einer langen schotterpiste durch die lavaflaechen. die route windet sich den berg hoch, um dann wieder in das tal zu muenden, an dem wir am ersten tag gestartet sind. am ende des waldes kommt immer staerkerer wind auf und auf passhoehe auch regen dazu. trotz stoecken und wirklich guter ausruestung bin ich nach 6 stunden aufstieg ziemlich muede und nass. der wind laesst mich oefters taumeln und ausfallschritte machen, aber das nur in wirklich exponierten lagen. es erscheint gut beherrschbar.
nach der nacht im zelt mit viel wind und regen trampe ich auf die rundstrasse und reise mit dem bus wieder weg. das zelt hat erstaunlich gut gehalten, nahezu kein kondenswasser, trotz 15 stunden dauerregen, dieser zermuerbt und macht schneller kalt als, wenn es wirklich unter null waere. trotz 5 grad brauche ich eine weile bis ich im schlafsack mollige temperaturen entwickle. am letzten abend im zelt esse ich aus versehen 200g gezuckerte kondensmilche. danach war mir irgendwie nicht mehr nach kochen. komisch. mit dem wetter war dann auch leider der aufstieg auf den vulkan gelaufen... na beim naechsten mal. also es war echt alles dabei was fuer mich eine gute zeit in den bergen ausmacht. ich hatte echt meinen spass und freu mich auf die naechste tour.
morgen fahren wir mit bus und faehre auf die isla de chiloe, fisch futtern, seeloewen kraulen und am strand dem regen trotzen, oder ganz anders, mal sehn.
herzliche gruesse aus der ganz wunderbar heruntergekommenen stadt puerto montt. ach ja: hab mal drei bilder hochgeladen, hat ne viertelstunde gedauert. demnaechst mehr.
justus
Dienstag, 9. Februar 2010
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Mensch Jussl,
AntwortenLöschenklingt alles prächtig! Und dass du uns Daheimgebliebene Anteil haben lässt, ist prima. Du kleines Urlwaldtier, du.
Hier in Kölle schneits, und der Karneval droht...
Liebe Grüße und Drücker,
Uli
jaja, da ist dir die gezuckerte kondensmilch wohl ganz ungeplant und bösartig in den mund geflutscht. kenn ich... hinterhältiges zeugs!
AntwortenLöschenviel spass auf der insel :)
küss dich
nadine
Hey Justus,
AntwortenLöschendas klingt wirklich nach sehr viel Abenteuer! Dann noch weiterhin viel Spaß und vielleicht ein bissl weniger Regen!
LG,
Katja
Mutschaaf sagt: JPC macht seinem Namen alle Ehre: Gradlienig über Felsen das Abenteuer herbeirufend. Bloß ließe sich die Kondensmilch nicht mit dem Kondenswasser verlängern oder mit literweisem Kaffee?
AntwortenLöschenIch schicke liebste Grüße. Mutschaaf
Boah ey, gut dass ich da nich mit muss... kälte, regen, das vollgepackte schneckenhaus auf dem rücken, glitisch der untergrund und das im inneren (nicht-)dialog mit jemandem, dem es -wie mir- um bei-sich-selbst-sein geht, woraus unter der hand ein schräger wettkampf um kontaktvermeidung wird. da bräuchte ich vermutlich mehr energie, entschlossenheit und körperliche audauerer, als ich in meinem depot hab oder früher je gehabt hätte.es "hebt mein herz", dass dir das so möglich ist!
AntwortenLöschenalso bin ich weiter neugierig auf das, was du weiterhin erlebst und freue mich, dass du uns daran sooo teilhaben läßt. vataschaaf